Offshore-Windräder im Meer

So sollen Windparks künftig zur Netzstabilität beitragen

Der Ausbau der Windenergie schreitet weiterhin voran, die Stromerzeugung aus Wind ist die am schnellsten wachsende erneuerbare Energiequelle. Mit ihrem immer größeren Anteil am Strommix steigt auch der Bedarf an einer stärkeren Systemintegration der Windenergie. Die Netzbetreiber haben dafür nun wichtige Voraussetzungen geschaffen. Vattenfall ist beim Pilotprojekt dabei.

Mai 2016

 

Windparks in den Regelenergiemarkt integrieren

Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber möchten Windenergieanlagen mit in die Systemdienstleistungen einbinden – genauer gesagt in netzstabilisierende Maßnahmen, die bisher vornehmlich konventionelle Kraftwerke übernehmen. Eine davon ist die so genannte Minutenreserve. Sie soll künftig auch durch Wind zur Verfügung gestellt werden. Ihre Vergabe erfolgt über eine tägliche Auktion: „Die Netzbetreiber schreiben den jeweils benötigten Minutenreservebedarf in Megawatt aus, die Energiehändler bieten mit ihren Kapazitäten in die Auktion“, erklärt Vattenfall-Experte Christian Sdralek, Market Development Renewables.

„Auf Basis der Gebote kaufen die Netzbetreiber so lange Leistung ein, bis ihr veröffentlichter Minutenreservebedarf komplett ist.“ Den Anlagenbetreibern, die den Zuschlag erhalten, werden im weiteren Procedere sowohl die Vorhaltung der Leistung als auch der tatsächliche Abruf vergütet

 

Erstmals Anforderungen zur Präqualifikation definiert

Am Regelenergiemarkt teilnehmen dürfen allerdings ausschließlich für das jeweilige Produkt, also beispielsweise Minutenreserve, präqualifizierte Kraftwerke bzw. Anlagen. Das heißt, sie müssen bestimmte, vom Netzbetreiber definierte Anforderungen in puncto Technik, Prozesse und IT erfüllen, einen Praxistest bestehen – und werden erst dann in den „Vermarktungs-Pool“ aufgenommen.

Für Windenergieanlagen existierten diese Anforderungen bislang nicht, somit konnten sie auch nicht präqualifiziert werden. Diese Lücke haben die Übertragungsnetzbetreiber nun geschlossen: Ende 2015 legten sie einen „Leitfaden zur Präqualifikation von Windenergieanlagen zur Erbringung von Minutenreserveleistung“ vor. Er gilt zunächst für eine zweijährige Pilotphase, bei der nach Wunsch der Netzbetreiber möglichst viele Marktteilnehmer mitmachen sollen, um die Praxistauglichkeit des Anforderungskatalogs zu prüfen.

 

Vattenfall nimmt mit DanTysk an Pilotphase teil

Auch Vattenfall steigt in das Pilotprojekt mit ein. Derzeit laufen die Vorbereitungen, sich mit dem 288 Megawatt starken Offshore-Windpark DanTysk zu beteiligen. „Als eines der größten Windenergieunternehmen in Europa und zugleich Vermarktungsspezialist wollen wir natürlich von Anfang an dabei sein und die Entwicklung aus erster Reihe beobachten bzw. mitgestalten“, sagt Christian Sdralek.

„Auch im Sinne unserer Kunden mit Windenergieanlagen, die wir perspektivisch bei der Präqualifizierung sowie bei der Teilnahme am Regelenergiemarkt professionell unterstützen wollen. Bei den aktuellen Preisen für Minutenreserve ist eine kommerzielle Vermarktung in der Pilotphase sicherlich schwer darzustellen, spannend wird es zukünftig durch die sich rasant entwickelnde Flexibilisierung der Märkte.“

 

Was ist Minutenreserve?

Der Begriff Minutenreserve bezeichnet die Bereitstellung von kurzfristigen (Vorlaufzeit 15 Minuten) Stromreserven zum Ausgleich von Netzschwankungen. Mit dieser Reserveleistung wird die Netzfrequenz gestützt, wenn sie signifikant nach oben oder unten vom Sollwert von 50 Hertz abweicht. Es gibt somit sowohl eine positive Minutenreserve – Strom wird eingespeist – als auch eine negative: Speichern oder Zurückhalten von Strom.

 

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