Mitarbeiter Trading Floor

Aus der Informationsfülle die richtigen Schlüsse ziehen

Wie lassen sich aus der täglichen Masse an Marktinformationen jene herausfiltern, die für das eigene Unternehmen relevant sind? Wie können die Energiebeschaffung bzw. -vermarktung professionell optimiert werden?

Mai 2016

Vattenfall Europe Power Management berät Kunden zu diesen und weiteren Fragen. Im Gespräch erläutert und bewertet Geschäftsführer Ralf Höper außerdem aktuelle Preisentwicklungen.

Herr Höper, Sie sind Geschäftsführer der Vattenfall Europe Power Management GmbH (VEPM). Was ist die Aufgabe Ihres Unternehmens?

Innerhalb der Vattenfall Gruppe bieten wir maßgeschneiderte Lösungen und Produkte für unsere Kunden an. Zusammen mit den Vertriebskollegen aus dem Wholesale-Bereich ermöglichen wir Kunden den Zugang zu den Handelsplätzen und unterstützen sie mit Marktberatung und Dienstleistungen rund um das Portfoliomanagement. Gerade für Stadtwerkekunden und die Großindustrie sind die Produkte von enormer Bedeutung, weil die Kosten für die Energiebeschaffung bzw. -vermarktung oftmals einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bringen können.

 

Ihr Unternehmen berät eine große Anzahl von Klienten zu den Preisbildungsmechanismen am Stromgroßhandelsmarkt. Was ist für Ihre Kunden dabei besonders wichtig bzw. aufschlussreich?

Die Portfoliomanager der VEPM sind permanent an den wesentlichen europäischen Strom- und Gasmärkten aktiv, daher verfügen sie über viel Erfahrung und die passenden Werkzeuge, um erfolgreich zu handeln. Unseren Kunden zeigen wir, wie sie sich im täglichen „Informations-Dschungel“ orientieren können. Letztlich geht es immer darum, aus den vielen Informationen des Marktes für sich selber die richtigen Schlüsse zu ziehen. Neben der fundamentalen Analyse legen wir auch Wert auf die technische Chartanalyse, ähnlich wie es auch am Aktienmarkt nötig ist.

 

In den vergangenen zwei Jahren ist der Strompreis sowohl am Spotmarkt als auch am Terminmarkt für das Folgejahr deutlich gesunken. Was waren die wesentlichen Gründe für diese Entwicklung?

Das hat sicherlich mehrere Gründe. Zum einen gibt es auf dem deutschen Markt derzeit ein Überangebot an Strommengen. Der rasante Zubau an erneuerbaren Energien verdrängt massiv die konventionelle Stromerzeugung aus der Angebotskurve an der Strombörse EPEX in Leipzig. Außerdem sind die Brennstoffkosten für Kohle, Gas und Öl an den internationalen Märkten durch eine verringerte Nachfrage ebenfalls seit Monaten stark unter Druck. Hinzu kommt natürlich der Verfall der gehandelten CO2-Zertifikate.

 

Der durchschnittliche Spotmarktpreis in 2016 ist bisher höher als der Terminmarktpreis für 2017. Wie bewerten Sie als Experte eine solche Konstellation im Hinblick auf die Spotmarktpreiserwartung für das Jahr 2017?

Zunächst muss man sich genau ansehen, warum der Spotpreis höher war. Der Januar ist an der Spotbörse mit durchschnittlich knapp 30 Euro pro Megawattstunde (MWh) noch recht hoch gehandelt worden, dann fielen aber – wie schon beschrieben – die Preise für die Brennstoffe. Insbesondere die Kursverluste der Emissionszertifikate drückten dann den Spotpreis der Folgemonate auf neue Levels zwischen 22 und 25 Euro pro MWh. Von diesem Preistrend blieb der Langfristhandel natürlich nicht unbeeindruckt, also zogen die Quartals- und die Jahresprodukte nach. Fundamental ist diese Konstellation somit einfach zu erklären. Allerdings ist zu erwarten, dass sich Kurzfrist- und Langfristmarkt bald wieder annähern, sobald dieser Effekt von allen Marktteilnehmern eingepreist wird.

Zur Person: Ralf Höper

Der Diplom-Physiker sammelte seit 1998 Erfahrungen im Energiehandel bei VASA Energy und Nordic Powerhouse. Bei Vattenfall Energy Trading war er in verschiedenen Positionen im Portfoliomanagement tätig. Als Geschäftsführer der Vattenfall Europe Power Management GmbH war er bis 2017 verantwortlich für Beratung und Portfoliomanagement von industriellen Größtkunden, Weiterverteilern und Stadtwerken.