Was ist Intraday-Trading?

Begriffe kurz erklärt

Intraday-Trading bedeutet wörtlich Handel „innerhalb eines Tages“. Marktteilnehmer kaufen und liefern Strom hierbei noch am selben Tag.

Dieser kurzfristige Großhandel ist entscheidend, um Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage flexibel auszugleichen. Gerade bei der wechselhaften Einspeisung durch Solar- und Windenergie sichert dieser Mechanismus die Stabilität des Stromnetzes und damit unsere Versorgung.

Auf welchen Börsen und Marktplätzen findet Intraday-Trading statt?

Der Intraday-Markt ist Teil des Spotmarkts der European Power Exchange (EPEX SPOT). Marktteilnehmer handeln dort Strom kurzfristig - Intraday - und für den Folgetag, am Day-Ahead-Markt. Seit Oktober 2025 nutzen Händler auch dort Viertelstundenkontrakte, um noch flexibler auf den Markt zu reagieren.

 

Der außerbörsliche Handel (OTC) und Regulierung

Neben der Börse gibt es auch den OTC-Handel (Over-the-Counter). Hier handeln zwei Parteien direkt miteinander und nutzen dafür keine offizielle Börse. Die Vertragspartner können so Preise individuell vereinbaren.

Der OTC-Handel ist flexibler als der Börsenhandel. Gleichzeitig bietet er weniger Sicherheit und war lange Zeit weniger reguliert. Um hier mehr Transparenz und Marktintegrität zu schaffen, greifen inzwischen regulatorische Rahmenbedingungen. Ein Beispiel dafür ist die REMIT-II-Verordnung. Sie sorgt für klare Regeln, etwa durch Transparenz- und Meldevorschriften.

 

Welchen Einfluss hat die Energiewende auf das Intraday-Trading?

Die Energiewende hat den Intraday-Handel stark verändert. Der Anteil von erneuerbaren Energien wie Solar und Wind wächst. Dadurch schwankt die Stromproduktion stärker.

Deshalb gewinnt der Intraday-Strommarkt an Bedeutung. Händler können hier kurzfristig reagieren, wenn sich das Wetter oder der Verbrauch ändern. Das hält den Bilanzkreis (ein virtuelles Energiekonto aus Einspeisung und Ausspeisung) ausgeglichen. So sichert der Intraday-Markt die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit.

 

Wie hängt das Intraday-Trading mit Batteriespeichern zusammen?

Batteriespeicher spielen im Intraday-Handel eine zunehmend wichtige Rolle. Sie speichern Energie, wenn zu viel produziert wird. Wenn Energie gebraucht wird, geben sie diese wieder ab. Dies trägt dazu bei, die Intraday-Strompreise zu stabilisieren.

 

Wie ist der europaweite Intraday-Handel organisiert?

Der europaweite Intraday-Markt wurde zunächst im XBID-Projekt entwickelt und ist dann in SIDC übergegangen.

Was ist XBID?

XBID steht für Cross-Border Intraday Market Project. Es war ein Projekt von europäischen Strombörsen und Übertragungsnetzbetreibern. Das Ziel war es, den grenzüberschreitenden Intraday-Handel zu entwickeln.

Technisch war XBID eine gemeinsame Plattform mit einem Standard Order Book (SOB), einem Capacity Management Module (CMM) und einem Shipping Module (SM). So wurden Gebote aus unterschiedlichen Ländern zusammengeführt, abgeglichen und ausgeführt – in Abhängigkeit von den zur Verfügung stehenden grenzüberschreitenden Übertragungskapazitäten.

Die Zusammenführung von Ländern über Grenzkapazitäten nennt sich Market Coupling. Dies wurde seit 2006 entwickelt, um einen europäischen Binnenmarkt für Strom zu schaffen.

Was ist SIDC?

Das heute gültige SIDC (Single Intraday Coupling) ist die direkte Weiterentwicklung des XBID-Projekts.

SIDC nutzt dieselbe technische Infrastruktur wie XBID — also gemeinsame Orderbücher, ein gemeinsamen Kapazitätsmanagement und das Shipping.

Was heißt SIDC für Marktteilnehmer?

Wenn heute von grenzüberschreitendem Intraday-Handel gesprochen wird, ist SIDC gemeint. Teilnehmer wie Händler oder Energieunternehmen können über SIDC Strom europaweit handeln — nicht nur national. Damit gibt es mehr Liquidität und bessere Chancen, kurzfristige Schwankungen auszugleichen.

 

Welche Arten von Tradern gibt es?

Im Markt agieren verschiedene Akteure:

  • Intraday-Trader: Sie fokussieren sich auf den kurzfristigen Handel und setzen auf schnelle Preisbewegungen. 
  • Versorger und Netzbetreiber: Sie nutzen den Markt, um ihren Bilanzkreis auszugleichen.
  • Finanzinvestoren: Sie haben oft ein spekulatives Interesse und setzen auf Preisveränderungen im Markt.

 

Strategien für erfolgreiches Intraday-Trading

Im Intraday-Handel zählt vor allem Schnelligkeit. Strompreise können sich in Sekunden ändern. Erfolgreiche Trader beobachten den Energiemarkt ständig. Sie reagieren blitzschnell. Folgende Strategien und Tools sind dabei nützlich:

Algo-Trading

Beim Algo-Trading handeln Programme automatisch nach bestimmten Regeln. Sie bewerten Daten wie Wetter, Netzlast, Stromproduktion aus erneuerbaren Energien oder die aktuelle Nachfrage. Erreicht der Strompreis eine bestimmte Schwelle, kauft oder verkauft das System vollautomatisch. So können Händler Chancen nutzen, die ein Mensch oft gar nicht so schnell erkennen kann.

Swing Trading

Als Swing-Trading bezeichnet man es, wenn Händler die kurz- bis mittelfristigen Preisschwankungen nutzen. Ähnlich wie bei Aktien oder Rohstoffen versuchen Händler, von Preisbewegungen zu profitieren.

 

Tools und Software für Intraday-Trading

Der Intraday-Handel lebt von Geschwindigkeit, Daten und Automatisierung. Professionelle Marktteilnehmer setzen auf spezialisierte Softwarelösungen, die Handelsplattformen, Prognosetools, Reporting und Batteriespeicherintegration vereinen. Diese Tools ermöglichen automatisierte Entscheidungen und eine präzise Marktbeobachtung.

Marktanalysen und Prognosen

Händler beobachten die Einspeisung von erneuerbaren Energien, geplante Kraftwerksrevisionen oder ungeplante Kraftwerksausfälle sowie Änderungen im Verbrauchsverhalten. Datenanalyse und Prognose-Tools zeigen Wetterprognosen, Netzlastdaten und Stromproduktion aus Solarenergie und Windenergie. Auch Informationen zum Bilanzkreis helfen, Abweichungen frühzeitig zu erkennen und schnell auszugleichen.

Handelsplattformen

Die wichtigsten Plattformen für den Intraday-Handel sind die EPEX SPOT und das XBID- bzw. SIDC-System. Über diese Plattformen können Trader Strom im kontinuierlichen Intraday-Handel kaufen und verkaufen – oft im Sekundenbereich. Moderne Benutzeroberflächen zeigen den aktuellen Intraday-Strompreis, verfügbare Viertelstundenkontrakte und Handelsvolumen in Echtzeit an. Neben der Börse nutzen viele Marktteilnehmer auch Broker für den OTC-Handel (Over-the-Counter). Diese ermöglichen direkte Geschäfte zwischen Unternehmen, zum Beispiel über spezialisierte Online-Plattformen.

Algo-Trading-Software

Es wertet in Millisekunden Marktpreise, Prognosen und Netzdaten aus und entscheidet, wann Strom gekauft oder verkauft wird. Das ist besonders im Intraday-Markt wichtig, weil Preise sich im Sekundentakt ändern können.

Risikomanagement und Reporting

Professionelle Systeme bieten Module für Risikomanagement und Reporting. Sie überwachen offene Positionen, bewerten Marktbewegungen und berechnen automatisch Gewinne und Verluste.

Integration von Batteriespeichern

Einige Softwarelösungen binden direkt Batteriespeicher ein. So können Händler automatisch entscheiden, ob gespeicherter Strom verkauft oder eingelagert werden soll – abhängig vom aktuellen Intraday-Strompreis. In Verbindung mit Algo-Trading entsteht dadurch ein nahezu selbststeuerndes System für den kurzfristigen Stromgroßhandel.

 

Vorteile von Intraday-Trading

  • Hohe Flexibilität durch Viertelstundenkontrakte
  • Möglichkeit, Schwankungen bei Solar- und Windenergie auszugleichen
  • Effiziente Integration Erneuerbarer Energien
  • Nutzung von kurzfristigen Preisschwankungen
  • Stabilisierung der Bilanzkreise und der Netze
  • Effizienter Einsatz von Algo-Trading und Batteriespeichern

 

Risiken beim Intraday-Trading

Trotz der Vorteile gibt es Risiken, die ein gutes Management erfordern: 

  • Preisrisiken: Der Intraday-Strompreis kann sich sehr schnell ändern.
  • Technische Risiken: Softwarefehler oder Probleme mit Daten können den Handel stören.
  • Komplexität: Unterschiedliche Märkte, viele Marktteilnehmer, schwankende Einspeisung und komplexe Datenlagen sorgen für hohe Komplexität.

Fazit

Intraday-Trading ist ein zentraler Baustein der modernen Stromwirtschaft. Die Börse EPEX SPOT, mit dem Intraday-Handel SIDC, sowie der OTC-Handel sorgen für einen transparenten und dynamischen Markt. Digitale Tools, Algo-Trading und Batteriespeicher treiben diese Entwicklung voran. Wer den Markt versteht, trägt wesentlich zur Integration erneuerbarer Energien und zur Stabilisierung der Stromnetze bei.

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