Begriffe kurz erklärt
Der Intraday-Markt ist Teil des Spotmarkts der European Power Exchange (EPEX SPOT). Marktteilnehmer handeln dort Strom kurzfristig - Intraday - und für den Folgetag, am Day-Ahead-Markt. Seit Oktober 2025 nutzen Händler auch dort Viertelstundenkontrakte, um noch flexibler auf den Markt zu reagieren.
Neben der Börse gibt es auch den OTC-Handel (Over-the-Counter). Hier handeln zwei Parteien direkt miteinander und nutzen dafür keine offizielle Börse. Die Vertragspartner können so Preise individuell vereinbaren.
Der OTC-Handel ist flexibler als der Börsenhandel. Gleichzeitig bietet er weniger Sicherheit und war lange Zeit weniger reguliert. Um hier mehr Transparenz und Marktintegrität zu schaffen, greifen inzwischen regulatorische Rahmenbedingungen. Ein Beispiel dafür ist die REMIT-II-Verordnung. Sie sorgt für klare Regeln, etwa durch Transparenz- und Meldevorschriften.
Die Energiewende hat den Intraday-Handel stark verändert. Der Anteil von erneuerbaren Energien wie Solar und Wind wächst. Dadurch schwankt die Stromproduktion stärker.
Deshalb gewinnt der Intraday-Strommarkt an Bedeutung. Händler können hier kurzfristig reagieren, wenn sich das Wetter oder der Verbrauch ändern. Das hält den Bilanzkreis (ein virtuelles Energiekonto aus Einspeisung und Ausspeisung) ausgeglichen. So sichert der Intraday-Markt die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit.
Batteriespeicher spielen im Intraday-Handel eine zunehmend wichtige Rolle. Sie speichern Energie, wenn zu viel produziert wird. Wenn Energie gebraucht wird, geben sie diese wieder ab. Dies trägt dazu bei, die Intraday-Strompreise zu stabilisieren.
Der europaweite Intraday-Markt wurde zunächst im XBID-Projekt entwickelt und ist dann in SIDC übergegangen.
XBID steht für Cross-Border Intraday Market Project. Es war ein Projekt von europäischen Strombörsen und Übertragungsnetzbetreibern. Das Ziel war es, den grenzüberschreitenden Intraday-Handel zu entwickeln.
Technisch war XBID eine gemeinsame Plattform mit einem Standard Order Book (SOB), einem Capacity Management Module (CMM) und einem Shipping Module (SM). So wurden Gebote aus unterschiedlichen Ländern zusammengeführt, abgeglichen und ausgeführt – in Abhängigkeit von den zur Verfügung stehenden grenzüberschreitenden Übertragungskapazitäten.
Die Zusammenführung von Ländern über Grenzkapazitäten nennt sich Market Coupling. Dies wurde seit 2006 entwickelt, um einen europäischen Binnenmarkt für Strom zu schaffen.
Das heute gültige SIDC (Single Intraday Coupling) ist die direkte Weiterentwicklung des XBID-Projekts.
SIDC nutzt dieselbe technische Infrastruktur wie XBID — also gemeinsame Orderbücher, ein gemeinsamen Kapazitätsmanagement und das Shipping.
Wenn heute von grenzüberschreitendem Intraday-Handel gesprochen wird, ist SIDC gemeint. Teilnehmer wie Händler oder Energieunternehmen können über SIDC Strom europaweit handeln — nicht nur national. Damit gibt es mehr Liquidität und bessere Chancen, kurzfristige Schwankungen auszugleichen.
Im Markt agieren verschiedene Akteure:
Im Intraday-Handel zählt vor allem Schnelligkeit. Strompreise können sich in Sekunden ändern. Erfolgreiche Trader beobachten den Energiemarkt ständig. Sie reagieren blitzschnell. Folgende Strategien und Tools sind dabei nützlich:
Beim Algo-Trading handeln Programme automatisch nach bestimmten Regeln. Sie bewerten Daten wie Wetter, Netzlast, Stromproduktion aus erneuerbaren Energien oder die aktuelle Nachfrage. Erreicht der Strompreis eine bestimmte Schwelle, kauft oder verkauft das System vollautomatisch. So können Händler Chancen nutzen, die ein Mensch oft gar nicht so schnell erkennen kann.
Als Swing-Trading bezeichnet man es, wenn Händler die kurz- bis mittelfristigen Preisschwankungen nutzen. Ähnlich wie bei Aktien oder Rohstoffen versuchen Händler, von Preisbewegungen zu profitieren.
Der Intraday-Handel lebt von Geschwindigkeit, Daten und Automatisierung. Professionelle Marktteilnehmer setzen auf spezialisierte Softwarelösungen, die Handelsplattformen, Prognosetools, Reporting und Batteriespeicherintegration vereinen. Diese Tools ermöglichen automatisierte Entscheidungen und eine präzise Marktbeobachtung.
Händler beobachten die Einspeisung von erneuerbaren Energien, geplante Kraftwerksrevisionen oder ungeplante Kraftwerksausfälle sowie Änderungen im Verbrauchsverhalten. Datenanalyse und Prognose-Tools zeigen Wetterprognosen, Netzlastdaten und Stromproduktion aus Solarenergie und Windenergie. Auch Informationen zum Bilanzkreis helfen, Abweichungen frühzeitig zu erkennen und schnell auszugleichen.
Die wichtigsten Plattformen für den Intraday-Handel sind die EPEX SPOT und das XBID- bzw. SIDC-System. Über diese Plattformen können Trader Strom im kontinuierlichen Intraday-Handel kaufen und verkaufen – oft im Sekundenbereich. Moderne Benutzeroberflächen zeigen den aktuellen Intraday-Strompreis, verfügbare Viertelstundenkontrakte und Handelsvolumen in Echtzeit an. Neben der Börse nutzen viele Marktteilnehmer auch Broker für den OTC-Handel (Over-the-Counter). Diese ermöglichen direkte Geschäfte zwischen Unternehmen, zum Beispiel über spezialisierte Online-Plattformen.
Es wertet in Millisekunden Marktpreise, Prognosen und Netzdaten aus und entscheidet, wann Strom gekauft oder verkauft wird. Das ist besonders im Intraday-Markt wichtig, weil Preise sich im Sekundentakt ändern können.
Professionelle Systeme bieten Module für Risikomanagement und Reporting. Sie überwachen offene Positionen, bewerten Marktbewegungen und berechnen automatisch Gewinne und Verluste.
Einige Softwarelösungen binden direkt Batteriespeicher ein. So können Händler automatisch entscheiden, ob gespeicherter Strom verkauft oder eingelagert werden soll – abhängig vom aktuellen Intraday-Strompreis. In Verbindung mit Algo-Trading entsteht dadurch ein nahezu selbststeuerndes System für den kurzfristigen Stromgroßhandel.
Trotz der Vorteile gibt es Risiken, die ein gutes Management erfordern:
Intraday-Trading ist ein zentraler Baustein der modernen Stromwirtschaft. Die Börse EPEX SPOT, mit dem Intraday-Handel SIDC, sowie der OTC-Handel sorgen für einen transparenten und dynamischen Markt. Digitale Tools, Algo-Trading und Batteriespeicher treiben diese Entwicklung voran. Wer den Markt versteht, trägt wesentlich zur Integration erneuerbarer Energien und zur Stabilisierung der Stromnetze bei.