Energiebroker

Begriffe kurz erklärt

Der Begriff Broker wird im Energiemarkt unterschiedlich definiert. Generell ist ein Broker ein Makler, also ein Vermittler. Im Energiemarkt vermittelt er zum Beispiel Strom oder Gas. 

Wir unterscheiden hier zwischen zwei Arten von Brokern:
Im Energie-Großhandel agieren Handels-Broker: Sie vermitteln im bilateralen Handel, auch over-the-counter (OTC) genannt, zwischen Käufern und Verkäufern von Energie. 

Im Endkundenmarkt beraten Energie-Broker Unternehmen und Privatkunden bei ihrer Strombeschaffung oder Gasbeschaffung.

Was machen Energiebroker?

Hier noch ein Überblick über die unterschiedlichen Bedeutungen des Begriffs Broker - je nachdem, wer ihn verwendet:

  • Regulatorisch: Die Bundesnetzagentur nutzt die Begriffe Broker oder Energiebroker und bezieht sich dabei auf den Großhandel. Sie meint damit meist internationale Unternehmen wie wie ICAP, GFI, Tullet Prebon und Griffin.
  • Großhandel und Börse: Im Großhandel deckt sich die Begriffsbestimmung mit der regulatorischen Bedeutung. Mit Energiebroker (Wholesale Energy Broker) wird ein Vermittler bezeichnet. Er vermittelt Energieprodukte wie Strom, Gas oder Kohle zwischen Käufern und Verkäufern.
  • Mittelstand und Endverbraucher: Hier wird der Begriff Energiebroker häufig anstelle von Retail-Broker oder auch Procurement Consultant verwendet. Der Procurement Consultant hilft z.B. energieintensiven Unternehmen, sich im Dschungel von Anbietern und Tarifen zurechtzufinden.
     

Der Energiebroker im Energie-Großhandel

Am Beispiel des Stromhandels zeigt sich, dass Broker im Energiehandel eine wesentliche Rolle spielen: Während nur etwa ein Viertel der täglich gehandelten Strommengen über die Börsen EEX und EPEX Spot abgewickelt wird, werden drei Viertel bilateral (OTC) gehandelt. Sowohl im Spotmarkt als auch im Terminmarkt gibt es eine Vielzahl an Händlern, die Mengen anbieten oder kaufen möchten. Hier den Überblick zu behalten und Kontakt zu möglichst vielen anderen Energie Tradern zu haben, ist für einzelne Händler oder Unternehmen fast unmöglich. Daher nutzen sie Broker als Vermittler.
 

Was tun Großhandels-Broker?

Broker führen die Mengen vieler Marktteilnehmer zusammen. Sie bieten ihren Kunden Zugang zu ihren Energiepools und leiten Preise, Angebote, Anfragen oder Aufträge an andere Marktteilnehmer weiter. Somit vermitteln sie und erleichtern den Abschluss bilateraler Verträge zwischen Produzenten, Handelsunternehmen, Versorgungern oder Banken. Dies funktioniert zum Beispiel über das Voice Broking, bei dem der Broker direkt per Mikrofon und Lautsprecher beim Händler zu hören ist und aktuelle Angebote durchgibt. Darüber hinaus bieten viele Broker digitale Plattformen oder hybride Lösungen.

Zu den wichtigsten Produkten gehören Strom, Gas, Kohle, Rohöl und raffinierte Erdölprodukte sowie Emissionsrechte.

Während der Broker vermittelt und somit Liquidität bereitstellt, ist der Händler selbst der Auftraggeber einer Transaktion. Der bilaterale Handel findet zwar außerhalb der Strombörsen statt und ist weniger reguliert. Dennoch gelten für die Dienstleistungen von Brokern bestimmte Marktregeln, Konventionen und vorab vereinbarte Geschäftsbedingungen. Zu den wichtigsten rechtlichen Grundlagen gehört die EU-Verordnung über Märkte für Finanzinstrumente MiFIR (Markets in Financial Instruments Regulation). Sie beinhaltet umfassende Regeln für den Handel mit Finanzinstrumenten sowie Meldepflichten. Dies sorgt vor allem für Transparenz.

Vorteile beim Handel mit Brokern

Der Handel über eine Broker oder eine Broker-Plattform hat für Marktteilnehmer viele Vorteile. Dazu gehören:

  • Broker sorgen für Liquidität und Preisfindung im Markt.
  • Sie bieten allen Marktteilnehmern den gleichen offenen und diskriminierungsfreien Zugang zum Markt.
  • Broker nutzen Rahmenvereinbarungen und Vertragswerke. Dadurch können Marktteilnehmer sicher am Marktgeschehen teilnehmen.
  • Broker bieten viele zusätzliche Services rund um den Handel und das Risikomanagement. Dazu gehören Marktdaten und Analysen oder auch technische Lösungen und Beratung.
     

Organisation des Energiehandels über Broker

Broker kommunizieren Preise und Gebote über unterschiedliche Medien. Dazu gehören das Telefon, Messenger, electronische Screens, Matchingsysteme oder elektronische Handelsplattformen.

Im Gegensatz zu Händlern, die selbst Mengen handeln, führen Großhandelsmarkt-Broker die Kundenaufträge nicht aus. Sie nehmen nicht selbst Positionen ein und sichern die Geschäfte nicht selbst über Risikokomponenten ab. Ebenso erstellen sie keine Abrechnungen und bieten kein Clearing. Sie leiten abgeschlossene oder mutmaßliche Geschäfte an die beiden zusammengeführten Parteien weiter.

Ausführung der Deals

Der Broker veröffentlicht Preise und Volumina. Bei mündlich vereinbarten Geschäften müssen diese vor Abschluss des Handels bestätigt werden. Bei Produkten mit elektronischem Orderbuch stehen die Preise und Volumina in der Regel fest und werden ohne weitere Kommunikation gehandelt.

Sobald der Handelspreis, das Volumen und die Bedingungen vereinbart wurden, legt der Broker die Namen der Gegenparteien offen. In der Folge bestätigen die beiden Parteien die Vereinbarung schriftlich und der Broker zieht sich aus der Transaktion zurück. Anschließend stellt der Energiebroker seine Maklergebühr in Rechnung. Diese bezieht sich meist auf die gehandelte Megawattstunden. Die Ausführungsgebühr oder Maklerprovision muss fair, transparent und nichtdiskriminierend sein. Sie wird zwischen dem Händler und dem Makler vorab pro Produkt vereinbart, häufig mit Mengenrabatten oder anderen Gebührenrabatten auf der Grundlage der Market-Making-Aktivitäten.
 

Die digitale Evolution: Plattformen im Energiehandel

Viele Großhandelsmarktplätze und Broker für Energie bieten eigene, zugelassenen Handelsplätze an. Darauf können Produzenten und Abnehmer Mengen, die sie kaufen oder verkaufen wollen, eigenständig einstellen. So haben Energy Trader direkten Zugang zu aktuellen Großhandelspreisen und angebotenen Produkten und Mengen.

Der Handel über Plattformen unterliegt speziellen Regeln, zum Beispiel in Bezug auf Zugang, Onboarding, Verhalten, Transparenz und Berichterstattung. Dazu gehören Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen, die vor allem Themen wie Marktmissbrauch und Geldwäsche verhindern sollen. Andere Vorschriften regeln das Verhalten in Bezug auf die Bezahlung von Rechnungen und die Finanzberichterstattung.
 

Der Energiebroker für Unternehmen

Neben den Brokern im Energiehandel werden die Begriffe Energiebroker, Strombroker oder Gasbroker auch im Bereich der Energiebeschaffung von Unternehmen oder sogar beim Energieeinkauf von Privatkunden verwendet. Dabei ist ein Energiebroker ein unabhängiger Vermittler zwischen Verkäufern und Einkäufern: Er vermittelt Verträge und stellt oft auch Online-Plattformen bereit. Das Ziel ist es, für jeden Kunden den passenden Liefervertrag zu finden – unter Berücksichtigung von Marktpreisen, Risiken und individueller Verbrauchsstruktur. Der Broker vergleicht verschiedene Energielieferanten, um Kostenvorteile zu erzielen.

Die Energiepreise schwanken stark – vor allem durch die Energiewende, die Einbindung erneuerbarer Energien und geopolitische Einflüsse. Diese Entwicklungen machen den Markt komplex und unberechenbar.

Ein Energiebroker verschafft Transparenz. Für viele Unternehmen ist er damit ein entscheidender Partner im modernen Energiemanagement.
 

Welche Leistungen bieten Energiebroker für Unternehmen?

Ein moderner Energiebroker oder Energiedienstleister bietet weit mehr als nur den Vergleich von Stromtarifen. Zu den typischen Leistungen gehören:

Energieeinkauf und Beschaffungsstrategie:

Broker unterstützen Geschäftskunden bei der Energiebeschaffung für Strom und Gas. Sie erstellen professionelle Ausschreibungen, holen Angebote von verschiedenen Energielieferanten ein und verhandeln die Konditionen. Außerdem entwickeln sie individuelle Beschaffungsstrategien, die sich an Marktchancen und Risikobereitschaft des Kunden orientieren. Im Rahmen des Vertragsmanagements überwachen sie Laufzeiten, Vertragsoptionen und Preisbindungen, um rechtzeitig reagieren zu können.

Marktanalyse, Energiepreisoptimierung und Energiemarktzugang:

Moderne Broker nutzen digitale Tools für Monitoring, Verbrauchsanalyse und Bedarfsermittlung.
Dadurch lassen sich Energieverbräuche optimieren und Einsparpotenziale sichtbar machen.

Ein zentraler Vorteil ist die Energiepreisoptimierung. Broker haben direkten Energiemarktzugang und können dadurch Konditionen anbieten, die für einzelne Unternehmen nicht erreichbar wären.

Energieportfoliomanagement und Risikomanagement:

Mit einem aktiven Energieportfoliomanagement steuert der Broker Preisrisiken, verteilt Einkäufe auf verschiedene Zeiträume und nutzt Hedging, um Preisschwankungen abzusichern. So wird Energie zu einem planbaren Kostenfaktor statt zu einem Risiko.
 

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit einem Energiebroker?

Die Zusammenarbeit mit einem Energiebroker folgt einem klaren Ablauf:

  1. Analyse der Ausgangssituation: Zuerst wird der aktuelle Energiebezug geprüft. Welche Verträge bestehen? Wie hoch ist der Verbrauch? Gibt es Risiken?
  2. Erstellung einer individuellen Beschaffungsstrategie: Auf Grundlage dieser Daten entwickelt der Broker eine Strategie zur Kostenoptimierung und Risikosteuerung. Dabei fließen Marktprognosen und Energiepreisanalysen ein.
  3. Ausschreibung und Lieferantenauswahl: Der Broker führt einen Energielieferantenvergleich durch. Er bewertet Angebote anhand von Preis, Laufzeit, Flexibilität und Servicequalität. Das Ziel ist ein transparenter Vergleich.
  4. Vertragsabschluss und Umsetzung: Nach der Auswahl des besten Angebots begleitet der Broker die Vertragsverhandlungen und sorgt für reibungslose Abläufe beim Wechsel oder bei der Verlängerung.
  5. Laufende Betreuung und Monitoring: Viele Broker übernehmen danach das Monitoring und informieren regelmäßig über Preisentwicklungen am Spotmarkt oder Terminmarkt. Dadurch bleiben Kunden über Markttrends und Einsparpotenziale informiert.
     

Welche Vorteile hat die Zusammenarbeit mit einem Energiemakler?

Unabhängige Beratung:

Ein Energiemakler arbeitet unabhängig von Energieversorgern und handelt im Interesse seiner Kunden. Er ist also ein Partner auf Augenhöhe.

Markttransparenz:

Durch seinen Energiemarktzugang kennt der Broker Preise und Entwicklungen. Diese Markttransparenz ermöglicht fundierte Entscheidungen.

Kostenoptimierung

Durch gezielte Energiepreisoptimierung und Nutzung von Großhandelskonditionen können Energiekosten oft gesenkt werden.

Risikomanagement

Professionelles Risikomanagement schützt Unternehmen vor Preisspitzen. Mit Hedging-Strategien lassen sich künftige Preise teilweise absichern.

Zeit- und Ressourcenvorteil

Der Broker übernimmt komplexe Aufgaben wie Ausschreibungsmanagement oder Vertragsmanagement – Unternehmen sparen Zeit und interne Kapazitäten.
 

Dinge, die man bei der Auswahl eines Energiebrokers beachten sollte

Wer einen Energiebroker beauftragt, sollte auf einige Punkte achten:

  1. Unabhängigkeit: Nur ein unabhängiger Broker kann wirklich objektiv beraten. Vermeiden Sie Makler, die an bestimmte Anbieter gebunden sind.
  2. Erfahrung und Referenzen: Seriöse Broker können Referenzen aus ähnlichen Branchen vorweisen – zum Beispiel von Industrieunternehmen, Großabnehmern oder kommunalen Betrieben.
  3. Vergütung und Transparenz: Klären Sie, ob der Broker erfolgsabhängig arbeitet oder ein fixes Honorar verlangt. Alle Kosten sollten transparent und nachvollziehbar sein.
  4. Fachkompetenz und Tools: Achten Sie auf Broker, die moderne Software für Monitoring, Vertragsmanagement und Marktanalyse einsetzen.
  5. Ganzheitlicher Ansatz: Ein guter Broker denkt nicht nur an Preise, sondern auch an langfristige Beschaffungsstrategien, Nachhaltigkeit und Energiemanagement.
  6. Kosten und Gebühren: Die Kosten richten sich nach dem Umfang der Leistungen. Viele Broker arbeiten erfolgsabhängig – sie erhalten also eine Provision, wenn durch ihre Arbeit Einsparungen entstehen. Andere verlangen eine feste Gebühr, besonders bei komplexem Energieportfoliomanagement oder Ausschreibungsmanagement.
     

Was macht ein Strombroker?

Ein Strombroker ist ein Energiebroker, der sich auf die Strombeschaffung spezialisiert hat. Er beobachtet den Strommarkt, analysiert Entwicklungen an Spotmarkt und Terminmarkt und berät Kunden beim optimalen Einkaufszeitpunkt.

Für wen lohnt sich ein Strombroker?

  • Unternehmen, die energieintensiv sind  mit hohem Energieverbrauch
  • Unternehmen mit schwankendem Energiebedarf
  • Großabnehmer mit mehreren Standorten
  • Kommunale Betriebe und Stadtwerke
  • Mittelständische Firmen, die ihre Energiekosten aktiv steuern wollen
     

Was macht ein Gasbroker?

Ein Gasbroker kümmert sich um die Gasbeschaffung am Gasmarkt. Er führt Ausschreibungen durch, vergleicht Anbieter und verhandelt Lieferverträge. Dabei nutzt er aktuelle Informationen von den europäischen Gasbörsen und Trading Hubs, um optimale Einkaufspreise zu erzielen. Gasbroker unterstützen zudem beim Risikomanagement und helfen, langfristige Verträge mit flexiblen Mengenregelungen zu gestalten.

Für wen lohnt sich ein Gasbroker?

  • Ein Gasbroker ist besonders interessant für Unternehmen mit hohem Wärmebedarf, etwa für energieintensive Industrieunternehmen, Produktionsbetriebe oder kommunale Einrichtungen.
  • Auch Hotels, Rechenzentren oder Gewerbebetriebe profitieren, wenn sie ihr Energieportfoliomanagement professionell aufstellen.
     

Wie unterscheiden sich Gas- und Strombroker von einem Energieberater?

Ein Strombroker oder Gasbroker konzentriert sich auf die Preis- und Beschaffungsseite – also auf den Einkauf von Energie am Markt. Ein Energieberater hingegen analysiert den Verbrauch und hilft, die Energieeffizienz zu verbessern. Beide arbeiten oft Hand in Hand: Der Energieberater reduziert den Bedarf, während der Energiebroker für günstigere Einkaufspreise sorgt. Gemeinsam schaffen sie eine nachhaltige und wirtschaftliche Energieberatung, die Unternehmen umfassend unterstützt.

Großhandels-Broker vs. gewerblicher Energievermittler

Wenn man einen Broker sucht, muss man zunächst die unterschiedlichen Arten von Brokern unterscheiden. Der Broker im Großhandel ist Vermittler von Energie oder Zertifikaten im bilateralen Over-the-Counter-Handel. Der Broker für Endkunden berät Unternehmen oder Privatkunden bei der Auswahl des passenden Energieanbieters.

Einen Überblick zeigt diese Tabelle:

MerkmalEnergiebroker Retail (B2B/B2C) Energiebroker Großhandel
KundeVerbraucher: Bäckerei bis Aluminiumhütte. Oft Laien im Energiemarkt, die Expertenrat brauchenInstitutionen: Energiehändler, Banken, Versorger, Hedgefonds. Profis im Energiemarkt, die selbst handeln.
ZielEnergiekosten senken, Verträge optimierenLiquidität finden, Verträge abschließen
MarktplatzEndkundenmarkt (Vertrieb)Großhandelsmarkt (OTC)
VergütungProvision vom Versorger oder HonorarBrokerage Fee pro gehandelter MWh
Beispielelokale Maklerbüros, Verivox, Check24TP ICAP, Griffin Markets, Tradition

Fazit

Der Begriff Energiebroker mein zwei sehr unterschiedliche Geschäftsfelder: Der Broker im Großhandel bringt Käufer und Verkäufer - zum Beispiel Erzeuger und Versorger - zusammen. Er ist per Voice mit vielen Trading-Abteilungen verbunden oder bietet Online-Plattformen, die die Mengen im Strom- oder Gashandel darstellen. Dies sorgt für die Transparenz und Liquidität. 

Ein Energiebroker für Gewerbe und Privatkunden stellt Preisvergleiche an und ist ein strategischer Partner im Energieeinkauf. Er sorgt für Markttransparenz, Planungssicherheit und Kostenoptimierung.

Ob Strombroker, Gasbroker oder Energiemakler – sie alle helfen, Energie professionell, sicher und wirtschaftlich zu handeln oder zu beschaffen.

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