24/7-Matching: Herkunftsnachweise auf Stundenbasis

Granulare Herkunftsnachweise – also stundengenau zertifizierte grüne Stromlieferungen – sind der neueste Trend bei den erneuerbaren Energien. Viele Unternehmen wollen genau wissen, wann ihr Strom woher kommt, doch ein Zeitstempel fehlt bisher.

Juni 2023

Im bisherigen System muss Ökostrom für die Vermarktung einen Herkunftsnachweis (HKN) besitzen, der bescheinigt, in welchen Anlagen der Strom produziert wurde. Den HKN kaufen Lieferanten zusätzlich zum physikalischen Strom ein. Dabei gibt es zwei Herausforderungen: Erstens: Wenn die Beschaffung der HKN auf Jahresbasis geschieht, kann theoretisch Strom für das ganze Jahr zertifiziert sein, obwohl er bereits im Januar produziert wurde. Zweitens: Fluktuierende erneuerbare Quellen decken meist nur einen Teil des Bedarfsprofils eines Verbrauchers ab und es werden zusätzliche Mengen kurzfristig beschafft, die möglicherweise aus fossilen Brennstoffen stammen. Die Folge: Mit dem derzeitigen System wird der Strom nur bilanziell ausgeglichen und ein 100-prozentiger grüner Energiemix kann nicht rund um die Uhr erreicht werden.

So manches Unternehmen möchte heute jedoch weitergehen und zu jeder Zeit 100 Prozent erneuerbare Energie beziehen. Dazu gehören zum Beispiel Produzenten von grünem Wasserstoff, da sie nachweisen müssen, dass der Wasserstoff wirklich grün produziert wurde. Aber auch das Energiesystem an sich braucht für die nötige Flexibilisierung sowie den Einsatz von Speichern immer präzisere Angeben über Ort und Zeit der Erzeugung. Granulare Herkunftsnachweise sollen auf die Stunde genau angeben, wann der Ökostrom produziert wurde. Auch die konkrete Erzeugungsanlage soll aus den Nachweisen ersichtlich sein1.

 

Vorteile und Hemmnisse

Ein System für die Zertifizierung stundengenauer Herkunftsnachweise zu etablieren, hätte diverse Vorteile. Dabei geht es zum einen um die Ökobilanz einzelner Verbraucher oder Branchen. Zum anderen wäre es ein Schritt in die richtige Richtung zur Deckungsgleichheit von Erzeugung und Verbrauch von erneuerbaren Energien. Zumal erneuerbarer Strom zu erzeugungsstarken Zeiten deutlich günstiger und zu erzeugungsschwachen Zeiten wertvoller ist. Die stundenweise Bilanzierung würde ein Preissignal schaffen, dass Investitionen in erneuerbare Technologien beschleunigen könnte.

Allerdings ist es im jetzigen Stromsystem eine Herausforderung, den grünen Strom in Zeiten hoher Einspeisung zu integrieren und optimal zu nutzen. Auch das geltende EEG hält Stolpersteine bereit und mindert Chancen im deutschen Markt, denn mit seinem Doppelvermarktungsverbot verhindert es bisher Liefermengen aus EEG-geförderten Anlagen. Gegebenenfalls wird ein flächendeckender Smart-Meter-Rollout dazu beitragen, Produktion und Verbrauch smarter zu verbinden. Das bisherige HKN-System ist nämlich nur dafür ausgelegt, Grünstrom nachzuweisen – nicht dafür, die Smart-Meter-Nutzung zu unterstützen.

Erste Projekte und Initiativen zum Test granularer Herkunftsnachweise laufen bereits. Es bleibt abzuwarten, ob es gelingt, ein anerkanntes System daraus zu entwickeln.

 

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Auch bei Vattenfall starten wir Tests für granulare Herkunftsnachweise. Kommen Sie bei Interesse oder Fragen gern auf uns zu.

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1 https://www.solarserver.de/2023/05/11/granulare-herkunftsnachweise-oekostrom-im-stundentakt/