Marktausblick

Im zweiten Quartal zeigten sich die meisten Commodities sensibel und reagieren gleichzeitig auf geopolitische Ereignisse, Befürchtungen von Knappheit oder Fundamentaldaten wie das Wetter. Preissetzend war am ehesten der Gasmarkt. Dennoch reagieren die Produkte nicht mehr so stark wie noch zu Beginn der Kriege und Unruhen im Nahen und Mittleren Osten.

Juni 2026

Im zweiten Quartal 2026 zeigt sich der europäische Energiemarkt als ein sensibles System: Strom, Gas, Kohle und CO₂ reagieren gleichzeitig auf geopolitische Turbulenzen, strukturelle Veränderungen und politische Eingriffe. Entsprechend entsteht kein stabiles Preisbild, sondern eine Überlagerung kurzfristiger Nervosität und langfristigem Umbau.

Besonders sichtbar wird dies im Strommarkt. Hier bleibt Gas – in Kombination mit Wettereffekten – der zentrale Preistreiber. Niedrige Speicherstände und anhaltende geopolitische Risiken begünstigen eine latente Risikoprämie. Gleichzeitig führt die zunehmende Einspeisung erneuerbarer Energien, insbesondere Solar, regelmäßig zu starken Preisrückgängen bis hin zu negativen Preisen. Der Markt preist damit zunehmend eine Zukunft mit wachsender Erneuerbare-Energien-Kapazität und sinkender Gasabhängigkeit ein – verbunden mit niedrigeren Durchschnittspreisen bei höherer Volatilität. Das Frontjahr Strom handelt aktuell bei 95,55 EUR/MWh, rund 4 Euro über dem Niveau zum Quartalsbeginn.

 

Am Gasmarkt bleibt die Rolle als zentraler Taktgeber bestehen. Der TTF Forward 2027 verlor seit dem 1. April etwa 2,6 EUR/MWh, der Spotmarkt liegt rund 2 Euro unter dem Niveau zum Quartalsende Q1. Frühere Entspannungssignale durch höhere LNG-Verfügbarkeit wurden durch geopolitische Ereignisse überlagert – so führten die Eskalation im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus zu ernsten Befürchtungen in Bezug auf die globalen LNG-Ströme. Die Folge waren steigende Preise, höhere Volatilität und die Rückkehr von Risikoprämien, die sich im Verlauf des Quartals jedoch wieder etwas abschwächten.

Damit bestätigt sich, dass der europäische Gasmarkt integraler Bestandteil eines globalen Systems ist. Der Ersatz russischer Pipelineimporte durch LNG erhöht Kosten und verlagert Abhängigkeiten. Zudem gewinnen neue Einflussfaktoren wie Streiks an Bedeutung, etwa in LNG-Anlagen.

 

Der Kohlemarkt bleibt demgegenüber im Hintergrund. Kurzfristig wirkt er vor allem über Substitutionseffekte bei hohen Gaspreisen. Strukturell verliert Kohle jedoch weiter an Bedeutung, getrieben durch steigende CO₂-Preise, regulatorische Vorgaben und fehlende Investitionen. Im zweiten Quartal fungiert Kohle eher als Backup denn als aktiver Preistreiber und handelt mit rund 127 USD/Tonne (API2) nahe dem Niveau zum Quartalsbeginn.

 

Im Markt für Emissionszertifikate zeigt sich ein Spannungsfeld zwischen Fundamentaldaten und politischer Steuerung. Kurzfristige Bewegungen werden primär durch Marktpsychologie und politische Signale bestimmt, während der strukturelle Trend unverändert bleibt: sinkender Cap, steigende regulatorische Ambitionen und ein wachsender Knappheitsmarkt. European Union Allowances (EUA) 2026 stiegen im zweiten Quartal um rund 5 EUR/Tonne auf etwa 79 EUR/Tonne.

 

Ausblick

Insgesamt bleiben die Märkte durch die derzeitigen Kriege in der Ukraine und dem Iran beziehungsweise Libanon nervös. Jedoch nehmen die preislichen Auswirkungen einer eskalierenden Rhetorik ab: Nach provozierenden Tweeds oder zuspitzenden Statements gibt es keine starken Preissprünge mehr, wie man es zuletztt beobachten konnte. Dafür bilden sich konkrete, fundamentale Auswirkungen immer stärker heraus, insbesondere was die Ölförderung betrifft, etwa bei Angriffen auf die Infrastruktur in Russland oder der Ukraine oder der Blockade der Straße von Hormus. Hier kann es zu erneuten Preispeaks kommen, wenn die aktuellen Reserven und Lagerbestände die fehlenden Ölmengen am Markt nicht mehr abfedern können.

 

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