Vor 20 Jahren

Seit vielen Jahren schreiben wir für unsere Kunden Newsletter. Daher haben wir in unseren Archiven gekramt und möchten Ihnen regelmäßig spannende und amüsante Rückblicke auf die Energiewirtschaft und auf Deutschland vor 20 Jahren bieten.

Juni 2026

Ein Blick zurück zeigt, wie rasant sich die Energiebranche in zwei Jahrzehnten gewandelt hat. Werfen wir gemeinsam einen Blick auf die Entwicklung – und auf das, was 2006 energiewirtschaftlich bewegte.

September 2006:

  • Die kennen wir doch…: Die Bundestagsfraktion CDU/CSU hat im September 2006 in einem offiziellen Positionspapier den beschleunigten Ausbau des deutschen Stromnetzes gefordert. Laut der stellvertretenden Vorsitzenden der Fraktion, Katherina Reiche, werde der schnelle Ausbau der Netze durch das neue Beschleunigungsgesetz ermöglicht. Damit und mit dem Ausbau der Kraftwerkskapazitäten versprach sich die Fraktion eine Stärkung des Wettbewerbs. Quelle: Energy News zum Download
  • Wie man sich irren kann…: Am 09.10.2006 betonte der damalige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier beim zweiten Energiegipfel der Bundesregierung: „Russland ist und bleibt Schlüsselfaktor unserer Energieversorgung, vor allem im Gasbereich“. Um die gegenseitigen und gleichberechtigten Abhängigkeiten zwischen Russland und der EU zu bewahren, gehöre sogar eine stärke Verflechtung im Energiebereich dazu, sagte Steinmeier in seiner Rede.[1] Aus heutiger Sicht wird diese Phase der deutschen Außenpolitik kritisch bewertet. Die Annahme, dass wirtschaftliche Verflechtung im Energiesektor zu dauerhaft politischer Stabilität führt („Wandel durch Handel“), wurde spätestens im Februar 2022 mit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine-Kriegs widerlegt.
  • Gut Ding‘ will Weile haben…: Die Europäische Kommission hat dem französischen Energieversorger Electricité de France (EdF) im Oktober 2006 die Erlaubnis erteilt, am Standort Flamanville einen Reaktor mit einer Nennleistung von 1.630 MW zu errichten. Der Kernreaktor vom Typ EPR (European pressurised water reactor) sollte 2012 ans Netz gehen und wurde mit Baukosten von rund 3,3 Milliarden Euro veranschlagt.[2] Letztendlich hat der Bau des Reaktors über 13,2 Milliarden Euro gekostet und der Start des kommerziellen Betriebs verzögerte sich um 14 Jahre bis zum Mai 2026.

 

Was sonst noch geschah:

  • Rentendiskussion: Die Koalition von CDU/CSU und SPD einigt sich am 24.10.2006 abschließend auf die Rente mit 67 Jahren. Demnach sollte das Rentenalter von 2012 bis 2029 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben werden. Arbeitnehmer, die 45 Jahre Beiträge eingezahlt haben, sollten auch weiterhin mit 65 abschlagsfrei in Rente gehen können.
  • Aktienhandel: Am 19.10.2006 notierte der Aktienindex Dow Jones Industrial Average zum Ende des Parketthandels bei circa 12.012 Indexpunkten und damit erstmalig in der Geschichte der Tageswerte jenseits von 12.000 Punkten. Damit hat sich der Wert der einbezogenen Unternehmen seit 1986 verdoppelt. Heute liegt der Index bei etwa 53.000 Punkten.
  • Energiepreise: Das Strom-Kalenderjahr 2007 kostete im September 2006 um die 56 Euro/MWh. Emissionszertifikate rangierten um 16 Euro/Tonne.
     

[1] https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/061009-energiegipfel-219668

[2] https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_06_1450

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Juni 2006:

  • Früher gab es auch schon Krisen: Anfang Juni 2006 erreichte der Preis für das Barrel Rohöl angesichts der Äußerungen des geistlichen Oberhauptes des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, mit 73,70 USD ein Rekordniveau. Der Ayatollah hatte erklärt, dass Öllieferungen aus der Region im Falle eines amerikanischen Angriffs auf den Iran ernsthaft gefährdet seien. Er fügte hinzu, dass die USA nicht in der Lage sein würden, sämtliche Schiffe in der Straße von Hormus zu schützen. Zuvor hatte der Iran betont, die Ölvorkommen nicht als Waffe im Atomstreit einsetzen zu wollen. Gegenwärtig notiert das Barrel Rohöl der Sorte Brent für den Frontmonat bei 97,81 USD und ist damit etwa 25 USD/bbl höher als vor 20 Jahren.
  • … und Entlastungen: Im Juni 2006 wollte die Bundesregierung die stromintensive Industrie von den Kosten für Strom aus erneuerbaren Energien entlasten. Demnach sollte die Bundesnetzagentur künftig kontrollieren, dass Energieversorger keine überhöhten Stromkosten für erneuerbare Energien berechnen. Damals lag der Anteil der Erneuerbaren am Stromerzeugungsmix bei 12 Prozent – nach Kernkraft mit 27 Prozent, Braunkohle mit 23 Prozent, Steinkohle mit 21 Prozent und Erdgas ebenfalls mit 12 Prozent. Der Base Preis für das Cal 2007 lag am 2. Juni 2006 bei 53,45 EUR/MWh. Im Mai 2026 betrug der Anteil erneuerbaren Energien ca. 76,7 Prozent und der Schlusskurs für eine Base-Lieferung im Jahr 2027 betrug am 2. Juni 2026 94,66 EUR/MWh.

Was sonst noch geschah:

  • Deutschlands Sommermärchen begann: Mit der Partie Deutschland – Costa Rica startete am 9. Juni 2006 die 18. Fußball-Weltmeisterschaft der Männer. In zwölf deutschen Städten spielten 32 Nationen bis zum 9. Juli um den Titel. Im ersten Spiel siegte die deutsche Nationalmannschaft 4:2 und belegte am Ende des Turniers den 3. Platz nach einem 3:1-Sieg gegen Portugal.
  • Heimlich, still und leise: Nachdem der Bundestag im Mai 2006 die Anhebung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent zum 1. Januar 2007 beschlossen hatte, stimmte im Juni auch der Bundesrat der umfangreichsten Steuererhöhung in der Geschichte der Bundesrepublik zu.
  • Besser spät als nie: Der Deutsche Bundestag beschloss ein Verbraucherinformationsgesetz für Lebensmittel und Bedarfsgegenstände sowie ein Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, umgangssprachlich auch Antidiskriminierungsgesetz genannt.

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März 2006:

  • Während der Base-Preis für das Kalenderjahr Cal 2007 Ende November 2005 noch bei 45 Euro/MWh gelegen hatte, stieg der Preis für dasselbe Produkt bis Ende März 2006 – also vor rund 20 Jahren – bis auf 57,40 Euro/MWh an. Zum Vergleich: Der Schlusskurs für das jetzige Frontjahr Base Cal 2027 lag am 19.03.2026 bei 92,47 Euro/MWh. 
  • Die Preise für Emissionszertifikate (European Union Allowances, EUA) für das Cal 2006 und das Cal 2007 lagen Ende März 2006 zwischen 27 und 28 Euro/Tonne. Die heutigen EUA-Preise für das Cal 2026 und 2027 liegen mit 65 – 68 Euro/Tonne mehr als doppelt so hoch.
  • Am 30.03.2006 notierte der Gaspreis für das Cal 2007 an TTF bei 28,45 Euro/MWh. Am 19.03.2026 lagen die Schlusskurse für das Cal 2027 bei 38,87 Euro/MWh.
  • „Früher was alles besser“: In Turin werden am 26.02.2006 die XX. Olympischen Winterspiele mit einer Abschlussveranstaltung beendet. Die deutsche Mannschaft ist mit elf Gold-, zwölf Silber- und sechs Bronzemedaillen das erfolgreichste Team.
  • „Früher war doch nicht alles besser“: Der Bildungsexperte der UN-Menschenrechtskommission Vernor Muñoz Villalobos kritisiert im Februar 2006 das deutsche Bildungssystem. Hauptpunkte sind das dreigliedrige Schulsystem, die mangelnde Integration von Kindern mit Migrationshintergrund und der enge Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg.
  • „Es bleibt alles wie es ist“: Anfang Januar 2006 stellt der staatlich kontrollierte russische Energiekonzern Gazprom für einige Tage seine Gaslieferungen an die Ukraine ein, nachdem beide Staaten keine Einigung über eine Gaspreiserhöhung erzielen konnten. In der Bundesrepublik führt der Gasstreit zwischen Moskau und Kiew zu einer erneuten Diskussion über die Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen.

 

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