Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und dem drastischen Rückgang der russischen Gaslieferungen über Pipelines hat Deutschland vermehrt auf Flüssiggas – englisch Liquified Natural Gas (LNG) – umgestellt. Mittlerweile macht LNG über zehn Prozent der Lieferungen aus. Doch die sicher geglaubte Quelle bereitet derzeit Sorgen.
September 2026
Die vergangenen drei Monate waren am LNG-Markt von geopolitischen Risiken und mehreren Eskalationswellen im Nahen Osten geprägt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie stark die Versorgung durch die Straße von Hormus gefährdet ist und welche Rolle LNG aus den USA künftig spielt.
Die europäischen Gaspreise (TTF) reagierten zunächst deutlich auf die Spannungen im Nahen Osten. Die Bedrohung der LNG-Exporte aus Katar sowie die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus führten zu einer spürbaren Risikoprämie. Zusätzlich gab es erhebliche Kapazitätsausfälle: Nach schweren Luft- und Drohnenangriffen auf den Industriekomplex Ras Laffan musste der Staatskonzern QatarEnergy zeitweise die Produktion stoppen. Rund 17 Prozent der katarischen Exportkapazität fielen dauerhaft aus. Aufgrund der Zerstörungen an den hochkomplexen Verflüssigungsanlagen schätzt der Konzern die Reparaturdauer einer zerstörten Produktionslinie auf drei bis fünf Jahre.[1]
In dieser Zeit stiegen die europäischen Gaspreise auf Höchststände, bevor sie sich im Verlauf des Sommers wieder beruhigten. Gründe hierfür waren die teilweise Wiederaufnahme von LNG-Lieferungen aus der Golfregion, hohe norwegische Gasexporte sowie zusätzliche LNG-Mengen aus den USA. Auch der niedrige Gasverbrauch im Sommer ließ die angespannte Situation am Gasmarkt etwas in den Hintergrund rücken. Die niedrigen Gasspeicherstände spielten noch keine große Rolle.
Wachsende Rolle von LNG aus den USA
Die USA haben in den letzten Monaten ihre Stellung als wichtigster Wachstumstreiber des globalen LNG-Angebots weiter ausgebaut. Die Auslastung der US-Verflüssigungsanlagen bleibt hoch und neue Kapazitäten kommen schrittweise hinzu. Laut aktuellen europäischen Marktanalysen stammen inzwischen rund 59 Prozent der LNG-Importe der EU aus den USA.[2] Einige Studien erwarten, dass im Jahresverlauf 2026 rund zwei Drittel aller europäischen LNG-Importe aus den Vereinigten Staaten kommen könnten.[3] Dies stärkt zwar die Versorgungssicherheit gegenüber dem Nahen Osten, erhöht jedoch gleichzeitig die Abhängigkeit Europas von US-LNG.
Vermehrte Kohleverstromung aufgrund hoher Gaspreise
Das derzeitige Gas-Preisniveau in Europa ist so hoch, dass LNG-Schiffe nicht den konkurrierenden, asiatischen Markt (JKM) ansteuern, sondern zu den europäischen LNG-Terminals fahren. Die TTF-Gas-Spotpreise und -Monatspreise erreichten Höchstwerte von über 69 Euro/MWh. Ein Preisniveau, welches zu einer erhöhten Kohleverstromung führte, da die Kohlekraftwerke sich in der Merit-Order vor die Gaskraftwerken schoben.
Niedrigere Gaspreise derzeit eher nicht in Sicht
Für die kommenden Monate spricht vieles für eine ausreichende Versorgungslage, allerdings bleibt die Region am Persischen Golf ein wichtiger Risikofaktor. Lieferverzögerungen, höheren Frachtkosten, Unsicherheit bei Versicherern und Reedereien und niedrige Speicherstände werden das Preisniveau hochhalten und Korrekturen nach unten begrenzen. Hinzu kommen verstärkte Hedging-Aktivitäten aufgrund von aufgeschobenen Gaskäufen, weil Marktteilnehmer im Frühjahr und Sommer 2026 noch die Hoffnung auf eine Lösung des Konflikts zwischen den USA und Iran hatten. Nun müssen diese Käufe nachgeholt werden und stützen den Gasmarkt.
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[1] https://www.qatarenergy.qa/en/MediaCenter/Pages/newsdetails.aspx?ItemId=3897
[2] https://www.spglobal.com/energy/en/news-research/latest-news/natural-gas/070126-eu-lng-imports-fall-18-yoy-in-june-amid-sustained-wartime-strains-cera
[3] https://www.energie-management.consulting/us-lng-dominanz-europaeische-gasversorgung-beschaffungsstrategie/